„Mauerfall“ auf dem Garnisonfriedhof

„Mauerfall“ auf dem Garnisonfriedhof

Nach den langen Jahren des Ringens um meine und vor allem die Zukunft meines Nordflügels war Ruhe bei mir eingekehrt. Seit 2019 bin ich nun schon wieder in Trägerschaft der Stadt Dresden. Und die Folgen sind sichtbar – und zwar im positiven Sinne! Nachdem ich letzten Sommer endlich eine angemessene Außenwirksamkeit in Gestalt zweier großer Tafeln bei beiden Seiten meines Haupteinganges erhalten habe, die Passanten und Gäste darüber informieren, dass sie es hier mit einem sowjetischen Militärfriedhof zu tun haben, wächst nun endlich auch optisch zusammen, was faktisch schon immer zusammengehört hat: Die undurchdringliche „Mauer“ aus meterhohen Thuja-Hecken, die bislang meinen Nordflügel von meiner Hauptanlage getrennt hatten, ist seit einigen Wochen gefallen!

Vermutlich seit den 50er-Jahren waren diese Hecken zu einer blickdichten Barriere herangewachsen, die oftmals verhinderte, dass Besucher den Weg auf meinen Nordflügel fanden. Durch den optischen Abschluss, den die Hecken bildeten, war dieser von der Hauptanlage und selbst von der abschließenden Zivilreihe am Übergang zum Nordflügel aus auf den ersten und auch auf den zweiten Blick so gut wie nicht mehr zu sehen.

Es war diese „grüne Linie“, die später auch zum tragischen Element wurde, denn sie manifestierte die unselige Trennung zwischen „Kriegsgräberstätte“ und „Zivilteil“, die meinem früheren Besitzer, dem Freistaat Sachsen, letztlich als Argument diente, um meinen Nordflügel als nicht geschützten „Zivilfriedhof“ einebnen zu wollen, um Pflegekosten zu sparen. Es hat die Initiative Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof Dresden Jahre gekostet, diese schlichtweg aus Unkenntnis und strategischem Kalkül vorgenommene Unterteilung als nachweislich falsch und irreführend zu outen und Öffentlichkeit wie Behörden für die untrennbare Zusammengehörig- und Schutzwürdigkeit meiner als Denkmalsachgesamtheit zu sensibilisieren.

Als nun vor einiger Zeit die Hecken den Kettensägen zum Opfer fielen, war dies wie ein Befreiungsschlag für mich! Endlich ist sie weg, diese dunkle, hohe Mauer, die mich mittendrin in zwei Hälften riss! Wer jetzt am Ende der Kriegsgräberstätte in der Zivilreihe zu Füßen der zahlreichen Kindergräber steht, dem eröffnet sich ein weiter Blick hinunter auf die architektonisch reizvollen Terrassen meines Nordflügels! Auf die zahlreichen Gräber, die nunmehr dank des hervorragenden Pflegezustandes, in dem ich mich insgesamt befinde, weithin sichtbar sind.

Jahrzehntelang ruhten die hier beerdigten rund 400 Soldaten und 180 Zivilisten (darunter ca. 50 Kinder) im Schatten meiner Hauptanlage. Ihre Gräber verschüttet und überwuchert, kaum beachtet. Vergessen. Kaum jemand verirrte sich je zu ihnen. Niemand fragte nach ihnen. Das ist anders geworden. Von so manchem traurigen Schicksal hat inzwischen die Öffentlichkeit erfahren, so mancher Kontakt in weit entfernte Weltgegenden hat sich geknüpft. Ein wenig ist es, als seien die Menschen, die hier ruhen, nun doch endlich heimgekehrt. Zurück ins Bewusstsein, zurück ins Auge des Betrachters.

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